← Zu den Reaktionen

Geprüfte Originalfundstelle: Sächsischer Landtag: Rede Jörg Urban, Plenarprotokoll 6/92(1) · 2019-05-22.

Urban nennt im Plenarprotokoll auf gedruckter Seite 9224 fünf bis sechs Milliarden täglich getötete Insekten während der warmen Jahreszeit und bezeichnet dies selbst als Schätzung unter Berufung auf das DLR. Der Titel erhält diese Einschränkung. Wir prüfen die Aussagekraft der Hochrechnung und unterstellen keine zusätzliche Hauptursachenbehauptung.

Originalfundstelle der Behauptung öffnen ↗

Die kurze Antwort

Insekten können an Rotoren sterben. Die häufig genannten Milliardenzahlen beruhen aber auf einer umstrittenen Hochrechnung, nicht auf einer vollständigen Zählung. Daraus lässt sich weder die genaue Opferzahl noch der Beitrag zum allgemeinen Insektenrückgang sicher ableiten. Art, Flughöhe, Standort und Auswirkungen auf Populationen müssen untersucht werden.

Was die Zahl tatsächlich beschreibt

Die politische Originalrede verweist auf eine Schätzung für die warme Jahreszeit. Eine solche Rechnung verbindet Annahmen über fliegende Insekten, Rotorflächen und Kollisionswahrscheinlichkeiten. Das ist etwas anderes als eine Messung aller getöteten Tiere. Das BfN-Faktenpapier und die KNE-Einordnung erläutern die fachliche Debatte. Die große Zahl darf deshalb nicht ohne ihre Annahmen und Unsicherheiten als gesicherte jährliche oder tägliche Zählung verbreitet werden.

Fachquellen zur Einordnung: BfN: Faktenpapier zu Insekten und Windkraft, 02.04.2019; geprüft 16.10.2026 · KNE: Auswirkungen der Windenergie auf Fluginsekten; geprüft 16.10.2026

Kollision ist nicht gleich Bestandswirkung

Dass einzelne Insekten mit Rotoren kollidieren können, ist nicht der umstrittene Kern. Für eine Bewertung des Artenschutzes muss zusätzlich geklärt werden, welche Arten betroffen sind und ob ihre Bestände dadurch relevant beeinträchtigt werden. Flughöhen, Lebenszyklen und Standortbedingungen unterscheiden sich. Eine zusammengezählte Menge verschiedener Insekten ersetzt diese Fragen nicht. Auch eine beeindruckende Hochrechnung allein erklärt daher noch nicht den allgemeinen Insektenrückgang.

Fachquellen zur Einordnung: BfN: Faktenpapier zu Insekten und Windkraft, 02.04.2019; geprüft 16.10.2026 · KNE: Auswirkungen der Windenergie auf Fluginsekten; geprüft 16.10.2026

Die ehrliche Schlussfolgerung

Ein seriöser Faktencheck behauptet weder, es gebe gar keine Kollisionen, noch erklärt er Windenergie vorschnell zum zentralen Verursacher des Insektenrückgangs. Forschung und standortbezogene Schutzmaßnahmen bleiben sinnvoll. Wenn eine konkrete Zahl genannt wird, sollten Bezugszeitraum, Rechenannahmen und der Unterschied zwischen Tierzahl und Populationswirkung mitgeliefert werden. Die politische Forderung nach einem allgemeinen Baustopp folgt aus einer unsicheren Hochrechnung jedenfalls nicht als wissenschaftlich zwingendes Ergebnis.

Fachquellen zur Einordnung: BfN: Faktenpapier zu Insekten und Windkraft, 02.04.2019; geprüft 16.10.2026 · KNE: Auswirkungen der Windenergie auf Fluginsekten; geprüft 16.10.2026

Einfach erklärt

An Windrädern können Insekten sterben. Die riesigen Zahlen sind aber geschätzt. Sie sagen noch nicht, wie stark einzelne Insektenarten dadurch bedroht sind.

Grundlagen im Energie-Wiki

Fachquellen geprüft am 16. Oktober 2026. Studien beziehen sich auf die genannten Zeiträume und Annahmen. Eigene Rechenbeispiele und Prüffragen sind als solche gekennzeichnet. Mit KI erstellt; redaktionell verantwortlich ist Simon Büchi.