FAKTENCHECK · AfD-ORIGINALAUSSAGE

AfD-Faktencheck: Führten Wind und Solar zu Brownouts?

Die konkrete Neulußheim-Behauptung vom Januar 2026 im Quellenvergleich – mit Ausfallstatistik, offenen Beweisfragen und den Bedingungen künftiger Versorgungssicherheit.

Dieser Beitrag wurde mit KI erstellt. Redaktionell verantwortlich ist Simon Büchi.

Illustration: Beleuchtete Ortschaft mit Stromnetz, Umspannwerk, Windrädern, Solardächern und einem Speicherschrank.MIT KI ERSTELLT

KI-generierte Illustration · kein Foto eines realen Ereignisses.

Das Ergebnis vorweg

Bewertung: Die behauptete Ursache des angeführten Stromausfalls ist nicht belegt. Windstille und geringe Sonneneinstrahlung sind reale Herausforderungen. Sie beweisen aber nicht, dass eine bestimmte Gemeinde wegen eines bundesweiten Strommangels abgeschaltet wurde. Genau diesen Zusammenhang behauptet die AfD-Bundestagsfraktion für Neulußheim. Die von uns gefundenen Quellen tragen diese Schlussfolgerung nicht.

Gleichzeitig ist Versorgungssicherheit keine Selbstverständlichkeit. Die Bundesnetzagentur nennt ausdrücklich notwendige zusätzliche steuerbare Kapazitäten und weitere Maßnahmen. Der Faktencheck trennt deshalb einen konkreten Ausfall, den bisherigen Zustand und die Anforderungen der kommenden Jahre.

Originalaussage vom 26. Januar 2026

Paul Schmidt, Sprecher der AG Kernkraft der AfD-Bundestagsfraktion, erklärt in einer Pressemitteilung:

„Die daraus resultierende Strommangellage hat diesen Winter bereits zu den sogenannten Brown-Outs geführt“

Der Satz bezieht sich auf zuvor beschriebenen geringen Wind- und Solarertrag. Anschließend nennt Schmidt Neulußheim als Beispiel einer mehrstündigen Abschaltung und verbindet sie mit dem Kernenergieausstieg. Geprüft wird der behauptete Ursachenzusammenhang, nicht nur das Vorliegen irgendeiner Unterbrechung. Original: AfD-Bundestagsfraktion, Paul Schmidt, 26. Januar 2026.

Was die AfD Karlsruhe selbst als Antwort veröffentlicht

Auf einer Seite der AfD Karlsruhe stehen eine Anfrage zu denselben Tagen und eine als Verwaltungsstellungnahme wiedergegebene Antwort. Die Seite trägt Datumsangaben vom 4. und 17. Februar 2026. In dieser Antwort heißt es sinngemäß: Für Karlsruhe habe es am 11. und 12. Januar keinen Hinweis auf eine Strommangellage gegeben; besondere Maßnahmen seien dort nicht erforderlich gewesen. Aus Sicht des dortigen Netzservice bestehe kein Zusammenhang zwischen der örtlichen Störung in Neulußheim und der Karlsruher Erzeugungs- und Netzsituation. Fundstelle: AfD Karlsruhe, Dunkelflaute und Brown Outs – auch in Karlsruhe?, Antworten 1–6.

Wichtige Grenze: Das ist eine auf einer Parteiseite veröffentlichte Wiedergabe. Uns liegt damit kein unabhängig abgerufener technischer Störungsbericht des für Neulußheim zuständigen Netzbetreibers vor. Die Antwort sagt selbst, dass Karlsruhe über Störungen in einem anderen Netzgebiet keine genaue Aussage treffen könne. Deshalb nennen wir hier keinen vermeintlich sicher feststehenden Kabel- oder Transformatorfehler.

Was für einen Ursachenbeleg fehlen würde

Aus dem Satz „Der Strom war weg“ folgt zunächst eine Unterbrechung am betreffenden Ort. Für die Behauptung „Deutschland hatte nicht genug Strom“ müsste zusätzlich belegt sein, dass eine übergeordnete Mangellage vorlag und dass gerade deshalb eine Lastabschaltung angewiesen wurde. Ein zeitlicher Zusammenhang mit einer windarmen Wetterlage genügt dafür nicht.

Ein belastbarer Nachweis würde beispielsweise den Störungsbericht, die betroffene Netzebene und eine gegebenenfalls dokumentierte Abschaltanweisung zusammenführen. Ein Kraftwerk in räumlicher Nähe sagt allein ebenfalls wenig über den Zustand der lokalen Leitungen aus. Erzeugung und Zustellung sind unterschiedliche Voraussetzungen dafür, dass Strom am Hausanschluss ankommt.

Unsere Bewertung lautet deshalb „nicht belegt“. Sie behauptet keine vollständig rekonstruierte alternative Ereigniskette. Für eine spätere Neubewertung wäre ein belastbarer technischer Originalbericht wesentlich.

Stromausfall, Brownout und Versorgungssicherheit

Der Ausdruck Brownout wird in der öffentlichen Debatte unterschiedlich verwendet, unter anderem für Spannungssenkungen oder gesteuerte Einschränkungen. In der geprüften AfD-Mitteilung meint er eine mehrstündige Abschaltung ganzer Orte. Der Faktencheck bewertet diese konkret behauptete Abschaltung wegen Strommangels und hängt nicht an einer bloßen Wortdefinition.

Auch „Versorgungssicherheit“ umfasst mehrere Aufgaben. Es muss genügend geeignete Erzeugung oder gespeicherte Energie verfügbar sein. Das Netz muss sie transportieren können. Frequenz und Spannung müssen stabil bleiben. Eine Störung in einem Teil dieses Systems ist nicht automatisch der Nachweis, dass alle anderen Teile ebenfalls versagen.

Eigene Analogie: Eine unterbrochene Wasserleitung beweist noch nicht, dass der gesamte Speicher leer ist. Umgekehrt garantiert ein voller Speicher nicht, dass jede Leitung funktioniert. Das Bild erklärt nur die logische Trennung von Verfügbarkeit und Zustellung.

Was die Statistik über bisherige Unterbrechungen sagt

Die Bundesnetzagentur veröffentlichte am 9. Oktober 2025 für das Datenjahr 2024 eine durchschnittliche Nichtverfügbarkeit von 11,7 Minuten je Letztverbraucher, nach 12,8 Minuten 2023. Die SAIDI-Kennzahl berücksichtigt bestimmte ungeplante Unterbrechungen von mehr als drei Minuten; nicht jede Störung und nicht jede Ursache geht in diese Kennzahl ein. Quelle: Bundesnetzagentur, Versorgungsunterbrechungen Strom in 2024, einschließlich Erläuterungen zur Kennzahl.

Das ist ein Rückblick mit definiertem Umfang. Ein Durchschnitt bedeutet nicht, dass jede Person genau so lange betroffen war. Er erklärt auch nicht die Ursache des Ausfalls in Neulußheim im Januar 2026 und garantiert keine künftige Sicherheit. Als Beleg für einen bereits allgemein eingetretenen Zusammenbruch taugt die genannte Entwicklung jedoch ebenfalls nicht.

Welche Maßnahmen die Bundesnetzagentur für nötig hält

Das Versorgungssicherheitsmonitoring vom 3. September 2025 betrachtet die Entwicklung bis 2035. Die Bundesnetzagentur nennt bis zu 22,4 Gigawatt zusätzliche steuerbare Kapazität im Zielszenario und bis zu 35,5 Gigawatt bei verzögerter Energiewende. Es handelt sich um Bruttozubauwerte; der Abgang älterer Anlagen ist davon zu unterscheiden. Die Aussage zur gesicherten Versorgung ist ausdrücklich an den Ausbau und weitere Szenarioannahmen gebunden. Quelle: Bundesnetzagentur, Veröffentlichung des Versorgungssicherheitsmonitorings 2025.

Flexibler Verbrauch und Speicher tragen nach diesem Bericht zur Absicherung bei. Verzögerter Ausbau erneuerbarer Erzeugung kann seinerseits Probleme verschärfen. Daraus folgt weder, dass Wind und Solar allein jede Stunde decken, noch, dass ihr weiterer Ausbau grundsätzlich gegen Versorgungssicherheit arbeitet. Entscheidend ist das Zusammenspiel des Systems.

Sicherheit verlangt mehr als eine Jahresenergiemenge

Die Bundesnetzagentur unterscheidet Systemstabilität von der Frage ausreichender Stromverfügbarkeit. Ihre Einordnung des Systemstabilitätsberichts nennt zahlreiche erforderliche Maßnahmen für den untersuchten Zeitraum 2027–2037. Eine günstige Jahresbilanz der Erzeugung ersetzt diese Aufgaben nicht. Quelle: Bundesnetzagentur, Systemstabilität und Systemstabilitätsbericht 2025.

Dass eine Reserve eingesetzt wird, ist deshalb allein kein Nachweis eines gescheiterten Systems. Für die Bewertung muss man wissen, welche Reserve wofür gebraucht wurde und ob sie ihre Aufgabe erfüllt hat. Ebenso wäre es falsch, Risiken kleinzureden, wenn notwendige Anlagen, Netze oder technische Fähigkeiten zu spät bereitstehen. Seriöse Planung benennt Bedingungen und überprüft ihre Umsetzung.

Quellen, Stand und Bewertungsgrenze

Prüfstand: 15. Oktober 2026. AfD-Bundestagsfraktion, Originalbehauptung; AfD Karlsruhe mit wiedergegebener Verwaltungsantwort; Bundesnetzagentur, Datenjahr 2024; Versorgungssicherheitsmonitoring 2025; Systemstabilität. Der Artikel bestätigt keine vollständige technische Ursache des Neulußheimer Ereignisses. Er prüft, ob die angeführten Belege den behaupteten Strommangel als Ursache tragen. Die Zukunftszahlen sind Szenarien mit Voraussetzungen, keine Ereignisvorhersage und keine bedingungslose Entwarnung.

Einfach erklärt

Die AfD sagt: Wegen wenig Wind und Sonne wurde Neulußheim der Strom abgestellt. Für diese Ursache fehlt in den gefundenen Quellen ein belastbarer Nachweis.

Ein Stromausfall an einem Ort bedeutet nicht automatisch: In ganz Deutschland fehlt Strom. Auch im örtlichen Netz kann es eine Störung geben. Die genaue Ursache in Neulußheim ist hier nicht abschließend geklärt.

Für die Zukunft braucht Deutschland weitere gut geplante Maßnahmen: steuerbare Kraftwerke oder andere geeignete Kapazitäten, Netze, Speicher und flexiblen Verbrauch. Wind und Sonne müssen in dieses Gesamtsystem eingebunden werden. Sicherheit muss laufend geprüft werden.