FAKTENCHECK · AfD-ORIGINALAUSSAGE

AfD-Faktencheck: Machen Wind und Solar Strom zwangsläufig teurer?

Die AfD behauptet einen unvermeidlichen Preisanstieg bei jedem Zubau. Wir prüfen Börsenpreise, Haushaltsrechnung und die Kosten des gesamten Systems.

Dieser Beitrag wurde mit KI erstellt. Redaktionell verantwortlich ist Simon Büchi.

Illustration: Stromrechnung, Taschenrechner und Stromzähler vor Häusern mit Solardächern und Windrädern.MIT KI ERSTELLT

KI-generierte Illustration · kein Foto eines realen Ereignisses.

Das Ergebnis vorweg

Bewertung: Die behauptete Zwangsläufigkeit ist falsch. Zusätzliche Wind- und Solaranlagen können den Großhandelspreis senken. Gleichzeitig entstehen Kosten für Anlagen, Netze, Speicher und die Absicherung der Versorgung. Was ein Haushalt am Ende bezahlt, ergibt sich aus mehreren Preisbestandteilen und dem konkreten Tarif. Daraus folgt weder eine garantierte Preissenkung bei jedem Ausbauprojekt noch eine unvermeidliche Erhöhung bei jeder neuen Anlage.

Der Faktencheck prüft eine konkrete Aussage auf der AfD-Themenseite. Die Frage, ob einzelne politische Instrumente kostengünstig gestaltet sind, bleibt davon getrennt.

Originalquelle: eine ältere, weiterhin abrufbare Position

Die AfD-Seite „Energie | Umwelt | Klima“ trägt das Veröffentlichungsdatum 19. Juni 2017; sie zeigt außerdem einen technischen Änderungszeitstempel vom 5. Dezember 2022. Im Abschnitt zur Energiepolitik heißt es über Deutschlands Strompreise:

„die mit jedem Zubau weiterer Wind- und Sonnenstromanlagen und dem Netzausbau zwangsläufig weiter steigen.“

Die Seite fordert anschließend unter anderem die Abschaffung des EEG. Wir kennzeichnen die zeitliche Herkunft ausdrücklich: Dies ist keine neue Pressemitteilung von 2026. Geprüft wird die pauschale Kausalbehauptung einer weiterhin abrufbaren Parteiposition. Original: AfD, Energie | Umwelt | Klima.

Warum mehr Wind und Sonne den Börsenpreis senken können

Die Bundesnetzagentur erklärt auf SMARD die Reihenfolge der Kraftwerksangebote, die sogenannte Merit Order. Wind- und Solaranlagen haben geringe Kosten für eine zusätzliche Kilowattstunde, weil sie dafür keinen Brennstoff kaufen müssen. Ihre Einspeisung kann teurere Angebote verdrängen. Für den Marktpreis ist relevant, welches Angebot zur Deckung der Nachfrage noch benötigt wird. Quelle: SMARD, So funktioniert der Strommarkt, Abschnitt Günstige Erzeugung hat Vorrang.

Dieser Zusammenhang widerspricht der Vorstellung, jede zusätzliche Einspeisung müsse den Preis erhöhen. Er ist aber keine Zusage für jede Stunde: Wenn eine neue Anlage bei Windstille nichts einspeist, liefert sie in dieser Stunde auch kein zusätzliches günstiges Angebot. Nachfrage, Brennstoffpreise, andere Kraftwerke und Austauschmöglichkeiten verändern die tatsächliche Situation ebenfalls.

Ein vereinfachtes Beispiel zur Preisbildung

Eigene Modellrechnung, keine historischen Marktdaten: Ein Markt benötigt 100 Megawatt. Günstige Angebote decken zunächst 80 Megawatt. Die letzten 20 Megawatt werden für 120 Euro je Megawattstunde angeboten. Vereinfacht ergibt das einen einheitlichen Preis von 120 Euro je Megawattstunde.

Kommen zur selben Lieferzeit weitere 25 Megawatt aus Wind hinzu, kann das teure Angebot entfallen. Liegt das jetzt noch erforderliche letzte Angebot bei 70 Euro je Megawattstunde, sinkt der Preis in diesem Beispiel auf 70 Euro. Die Zahlen sind bewusst erfunden; sie zeigen nur, warum ein zusätzlicher Anbieter keine automatische Preiserhöhung verursacht.

Das Beispiel lässt Netzengpässe, Handelsdetails und langfristige Investitionen weg. Es berechnet daher keinen deutschen Haushaltstarif und keinen vollständigen Ausbaupfad. Sein begrenzter Zweck ist die Prüfung des Wortes „zwangsläufig“.

Börsenpreis und Haushaltsrechnung sind verschiedene Größen

Nach der Bundesnetzagentur enthält der Haushaltspreis Beschaffung, Vertrieb und Marge, regulierte Netz- und Messentgelte, Steuern sowie Abgaben und Umlagen. Der Arbeitspreis wird mit dem Verbrauch multipliziert; hinzu kommt gegebenenfalls ein fester Grundpreis. Deshalb kann ein sinkender Einkaufspreis durch andere Bestandteile teilweise oder ganz überlagert werden. Quelle: Bundesnetzagentur, Preise und Abschläge, Preisbestandteile und Tarife.

Außerdem kaufen Lieferanten Energie nicht nur für die nächste Stunde ein. Eine Beschaffungsstrategie mit längerfristigen Verträgen kann kurzfristige Preisschwankungen abfedern und deren Weitergabe verzögern. Die genaue Wirkung hängt vom Vertrag ab. Ein heutiger Börsenwert lässt sich deshalb nicht einfach mit dem Arbeitspreis auf einer bestehenden Rechnung gleichsetzen.

Eigene Prüffrage: Werden in einem politischen Vergleich dieselben Größen gegenübergestellt? Cent je Kilowattstunde für Haushalte einschließlich Steuern und ein Börsenpreis in Euro je Megawattstunde sind ohne Umrechnung und Abgrenzung kein sauberer Vergleich.

Günstige Erzeugung ist noch kein vollständiges Stromsystem

Fraunhofer ISE vergleicht in seiner Studie vom Juli 2024 Stromgestehungskosten neuer Anlagen und Kraftwerke. Diese Größe verteilt Investition und Betrieb auf die erzeugte Strommenge unter festgelegten Annahmen. Sie hilft beim Vergleich von Erzeugungstechnologien. Sie ist aber weder ein Tarifangebot noch die Gesamtrechnung eines Systems, das jede Stunde Versorgung und Transport gewährleisten muss. Quelle: Fraunhofer ISE, Stromgestehungskosten erneuerbare Energien, Studie Juli 2024 und ergänzende Kurzanalyse 2025.

Für einen Systemvergleich müssten zusätzlich die passende Leistung zur richtigen Zeit, Leitungen, Speicher, Ausgleichsmaßnahmen und die jeweilige Nachfrage betrachtet werden. Dabei darf dieselbe Kostenposition nicht doppelt gezählt werden. Auch der Vergleichspfad benötigt Investitionen und Brennstoffe: Ein Alternativsystem mit fossilen Kraftwerken ist nicht automatisch ein kostenlos vorhandenes Netz mit kostenlosen Anlagen.

Netzkosten sind real – ihre Verteilung ist eine eigene Frage

Die Bundesnetzagentur arbeitet im Verfahren AgNes an einer Reform der allgemeinen Netzentgeltsystematik. Der im August 2026 veröffentlichte Entwurf ist ein Verfahrenstand, kein Beleg für bereits vollständig umgesetzte neue Regeln. Die Frage, wie Netzkosten verteilt und Anreize gesetzt werden, ist von der Frage zu trennen, welche Gesamtkosten tatsächlich entstehen. Quelle: Bundesnetzagentur, Festlegungsverfahren AgNes.

Mehr Leitungen und ein verändertes Netz können Geld kosten. Daraus lässt sich aber nicht ohne weitere Rechnung die Preiswirkung jedes Windrads ableiten. Ein konkretes Projekt kann Erzeugung, Netzauslastung und erforderliche Ausgleichsmaßnahmen unterschiedlich beeinflussen. Eine belastbare Kritik sollte daher die untersuchten Annahmen nennen und den Gegenvergleich offenlegen.

So erkennt man einen fairen Kostenvergleich

Ein guter Vergleich benennt zuerst das Ziel: Geht es um die nächste Rechnung, den jährlichen Großhandelspreis oder langfristige volkswirtschaftliche Kosten? Danach braucht er einen Zeitraum und einen Vergleichsfall. Ein Szenario ohne weiteren Ausbau muss ebenso erklären, wie es Nachfrage, Alterung bestehender Anlagen und sichere Versorgung abdeckt.

Auch die Finanzierung gehört dazu. Eine Ausgabe kann über den Strompreis, den Staatshaushalt oder einen privaten Anlagenkauf bezahlt werden. Eine Verschiebung zwischen diesen Wegen senkt nicht automatisch die gesamte Belastung. Umgekehrt ist eine einmalige Investition nicht mit einer jährlichen Zahlung gleicher Höhe gleichzusetzen.

Für eine eigene Tarifentscheidung sind Jahresverbrauch, Grundpreis, Arbeitspreis, Laufzeit und Bedingungen aussagekräftiger als ein politischer Einzelsatz. Aus dieser Tatsachenprüfung folgt keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter oder ein bestimmtes Produkt.

Quellen, Stand und Grenzen

Prüfstand: 15. Oktober 2026. AfD-Original von 2017; SMARD zur Preisbildung; Bundesnetzagentur zu Tarifbestandteilen; Fraunhofer ISE zur Erzeugungskostenrechnung; AgNes-Verfahrensstand. Die Marktmodellrechnung ist eine eigene didaktische Darstellung. Der Artikel berechnet keine exakte Ersparnis der Energiewende und leitet aus zeitlich gleichzeitigem Ausbau und Preisänderungen keinen alleinigen Ursachenbeweis ab. Bewertet wird die allgemeine Behauptung, jede zusätzliche Anlage erhöhe Preise unvermeidlich.

Einfach erklärt

Die AfD schreibt: Mit jeder neuen Wind- oder Solaranlage müsse Strom teurer werden. So einfach ist es nicht.

Wenn viel günstiger Wind- und Sonnenstrom angeboten wird, kann der Preis an der Strombörse sinken. Auf deiner Rechnung stehen aber auch Kosten für das Netz, Steuern und weitere Bestandteile.

Neue Leitungen und die Absicherung der Versorgung kosten Geld. Deshalb muss man alles zusammen vergleichen. Weder „immer teurer“ noch „jede neue Anlage macht jede Rechnung sofort billiger“ ist eine verlässliche Regel.