FAKTENCHECK · AfD-ORIGINALAUSSAGE

AfD-Faktencheck: Ist die menschliche Ursache der Erwärmung ungeklärt?

Eine konkrete Aussage aus dem Wahlprogramm 2025, geprüft anhand von IPCC, NASA und NOAA – mit Originalfundstelle und klaren Grenzen.

Dieser Beitrag wurde mit KI erstellt. Redaktionell verantwortlich ist Simon Büchi.

Das Ergebnis vorweg

Bewertung: Falsch, soweit die Aussage den Kenntnisstand zur gegenwärtigen globalen Erwärmung beschreibt. Der menschliche Einfluss ist wissenschaftlich belegt. Offene Detailfragen machen die grundlegende Ursachenzuordnung nicht ungeklärt. Natürliche Klimaveränderungen in der Erdgeschichte werden dadurch nicht bestritten.

Geprüft wird eine konkrete Aussage des AfD-Bundestagswahlprogramms von 2025, keine Vermutung über Absichten einzelner Mitglieder oder Wähler. Entscheidend ist, ob der behauptete Wissensstand mit den Fachquellen übereinstimmt. Die Bewertung betrifft diese Tatsachenfrage und ist kein pauschales Urteil über sämtliche energiepolitischen Forderungen der Partei.

Originalquelle: Was die AfD tatsächlich schreibt

Die AfD verabschiedete ihr Bundestagswahlprogramm 2025 am 11./12. Januar 2025 in Riesa. Im Kapitel Klima, gedruckte S. 77, steht:

„Die Frage nach dem Anteil des Menschen an diesem ist wissenschaftlich ungeklärt.“

Gemeint ist der zuvor genannte Klimawandel. Daran knüpft das Programm seine Ablehnung der Energiewende. Original: AfD-Programm 2025, gedruckte S. 77; PDF-Viewer S. 78.

Was der IPCC zum menschlichen Einfluss feststellt

Der IPCC-Synthesebericht von 2023 ordnet die globale Erwärmung eindeutig menschlichen Aktivitäten zu, insbesondere Treibhausgasemissionen. Abschnitt A.1.2 beziffert den menschlich verursachten Temperaturanstieg von 1850–1900 bis 2010–2019 mit einem besten Schätzwert von 1,07 °C und einer wahrscheinlichen Bandbreite von 0,8 bis 1,3 °C. Die beobachtete Erwärmung für denselben Vergleich beträgt 1,06 °C. Quelle: IPCC, Synthesebericht 2023, SPM A.1 und A.1.2 samt Fußnote 7.

Das ist eine quantitative Zuordnung mit Unsicherheitsangabe. Es handelt sich weder um eine exakte Messung auf die zweite Nachkommastelle ohne Fehlerbereich noch um die Aussage, die Ursache sei offen. Wichtig ist außerdem der Zeitraum: Diese Werte beziehen sich auf den genannten Jahrzehntvergleich und sind keine Temperaturangabe für das Jahr 2026.

Mehr als zwei gleichzeitig steigende Kurven

Eine bloße Gleichzeitigkeit wäre als Ursachenbeleg zu wenig. NASA beschreibt unter anderem die physikalisch nachgewiesene Wirkung von Treibhausgasen auf die Wärmestrahlung sowie unabhängige Beobachtungen im Klimasystem. Der Schluss hängt also nicht allein davon ab, dass CO₂ und Temperatur zur selben Zeit steigen. Quelle: NASA, Evidence.

NOAA erläutert zusätzlich, wie Kohlenstoff-Isotope helfen, Quellen des zusätzlichen CO₂ zu unterscheiden. Isotope sind Varianten desselben Elements mit unterschiedlicher Masse. Fossile Brennstoffe enthalten kein messbares Kohlenstoff-14; entsprechende Veränderungen in Luftproben sind ein Hinweis auf fossilen Kohlenstoff. Quelle: NOAA Global Monitoring Laboratory, Isotopic Fingerprints.

Die Herkunft des zusätzlichen Kohlenstoffs und seine Klimawirkung sind zwei verschiedene Fragen. Ein Isotopenbefund allein berechnet noch keinen Temperaturanstieg. Umgekehrt erklärt eine bekannte Treibhauswirkung allein nicht jede Quelle einer gemessenen Konzentrationsänderung. Gerade die Verbindung unterschiedlicher Nachweise ist für die Bewertung wichtig.

Natürliche Einflüsse sind kein Gegenargument an sich

Dass die Erde schon vor Industrie und Autos Klimaänderungen erlebt hat, ist richtig. Für die aktuelle Ursache muss aber geprüft werden, welche Einflüsse im betrachteten Zeitraum wirksam sind. NASA erklärt, dass die Sonne den jüngeren Erwärmungstrend nicht erklären kann; dafür werden auch Messungen der Sonneneinstrahlung und der Vergleich mit der Temperaturentwicklung herangezogen. Quelle: NASA, Rolle der Sonne beim Klimawandel.

Unsere logische Prüfhilfe lautet: Die Existenz einer natürlichen Ursache zu einem anderen Zeitpunkt ist kein Nachweis, dass sie eine bestimmte heutige Veränderung erklärt. Wer eine alternative Erklärung vorschlägt, müsste deren Stärke, zeitlichen Verlauf und Übereinstimmung mit Beobachtungen zeigen. Ein Verweis auf frühere Warmzeiten ersetzt diesen Vergleich nicht.

Das gilt in beide Richtungen. Man sollte auch nicht behaupten, jede kurze Temperaturschwankung müsse ausschließlich menschlich verursacht sein. Eine einzelne kühle Saison und die Ursache eines langfristigen globalen Trends sind unterschiedliche Untersuchungsgegenstände.

Unsicherheit bedeutet nicht Unwissen

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen einer unbekannten Ursache und einer bekannten Ursache mit begrenzt genau bestimmbarer Stärke. Die IPCC-Zahl mit ihrer Bandbreite ist ein Beispiel für Letzteres. Eine seriöse Darstellung nennt beides: das belastbare Ergebnis und dessen Genauigkeit.

Eigene Analogie, kein Klimamodell: Bei einem Wasserbehälter kann man wissen, welcher zusätzliche Zulauf den Pegel steigen lässt, obwohl die genaue Durchflussmenge nur mit einem Messfehler bekannt ist. Die Unschärfe der Menge macht den sichtbaren Zulauf nicht automatisch zu einer ungeklärten Ursache. Das Bild erklärt eine logische Unterscheidung; es ersetzt keine Untersuchung der Atmosphäre.

Auch die genaue Zahl aus einer einzelnen Schätzung sollte man nicht überdehnen. Die ähnlichen zentralen Werte für beobachtete und menschlich verursachte Erwärmung sind keine Einladung, eine scheinbar millimetergenaue Prozentzahl zu berechnen. Dafür sind Unsicherheiten und weitere Einflüsse mitzudenken. Das starke Ergebnis ist die belegte Rolle menschlicher Aktivitäten, nicht eine aus zwei gerundeten Zahlen erzeugte Scheingenauigkeit.

War das erst nach Veröffentlichung des Programms bekannt?

Nein. Der hier herangezogene Synthesebericht wurde bereits 2023 veröffentlicht, also vor dem Parteitag im Januar 2025. Für diesen Artikel wurde unter anderem die auf der deutschen Koordinierungsseite bereitgestellte Übersetzung mit Errata bis Mai 2026 gelesen. Das Veröffentlichungsjahr des wissenschaftlichen Berichts und das Datum einer aktualisierten Übersetzung dürfen nicht verwechselt werden. Quelle und Versionsangaben der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle.

Wir prüfen die Aussage damit anhand eines bereits damals vorliegenden zentralen Befunds und kennzeichnen zugleich die heute verwendete Fassung. Der Text tut nicht so, als hätte die Partei im Januar 2025 auf ein erst später eingetretenes Wetterereignis reagieren müssen.

Was daraus für erneuerbare Energien folgt – und was nicht

Die naturwissenschaftliche Ursachenzuordnung ist für die Begründung einer emissionsärmeren Energieversorgung relevant. Sie beantwortet aber nicht allein, welcher konkrete Ausbaupfad am günstigsten ist oder wie ein bestimmtes Stromnetz abgesichert werden sollte. Dafür braucht es zusätzliche technische und wirtschaftliche Untersuchungen.

Wer einen einzelnen Fördermechanismus kritisiert, widerlegt damit nicht automatisch den menschlichen Einfluss auf die Erwärmung. Ebenso beweist der menschliche Einfluss nicht, dass jede einzelne vorgeschlagene Maßnahme gut gestaltet ist. Tatsachenprüfung und Bewertung eines politischen Instruments sind getrennte Aufgaben. Diese Trennung lässt Raum für sachliche Kritik, ohne den Stand der Klimaforschung falsch darzustellen.

Drei Fragen zum eigenen Quellencheck

  1. Welche Veränderung ist gemeint? Die gesamte Erdgeschichte, ein globaler Jahrzehnttrend oder das Wetter an einem Ort?
  2. Welche Belege werden verglichen? Messungen, physikalische Zusammenhänge und die quantitative Zuordnung müssen zusammenpassen.
  3. Welche Unsicherheit ist offen? Betrifft sie eine Bandbreite, eine regionale Einzelheit oder tatsächlich die grundlegende Ursache?

Prüfe möglichst den Originalabschnitt statt nur eine Überschrift. Nimm Unsicherheitsangaben ernst, ohne sie in ihr Gegenteil umzudeuten. Aus einer nicht exakt bestimmten Größe folgt nicht, dass keinerlei belastbare Aussage möglich wäre.

Quellen, Stand und Grenzen

Prüfstand: 15. Oktober 2026. Primärfundstelle ist das AfD-Programm 2025, S. 77. Fachgrundlage sind IPCC 2023, SPM A.1–A.1.2, NASA zu den Nachweisen, NASA zur Sonne und NOAA zu Isotopen. Die Behälteranalogie und die Prüffragen sind eigene Erläuterungen. Dieser Artikel prüft die Ursachenaussage, nicht die im Programm ebenfalls genannten Kostensummen oder jede dortige klimapolitische Behauptung.

Einfach erklärt

Die AfD stellt im Wahlprogramm 2025 den Wissensstand zur Rolle des Menschen beim Klimawandel als ungeklärt dar.

Für die heutige globale Erwärmung stimmt das nicht. Die Forschung zeigt klar: Menschen haben die Erwärmung verursacht, vor allem durch zusätzliche Treibhausgase.

Es gibt Messungen und physikalische Nachweise. Manche Zahlen haben einen Unsicherheitsbereich. Das heißt nicht, dass die grundlegende Ursache unbekannt ist.

Über einzelne Gesetze, Kosten und technische Lösungen kann man weiter streiten. Dabei sollte der wissenschaftliche Kenntnisstand richtig wiedergegeben werden.